Monatslied März

RG 441

  1. O Welt, sieh hier dein Leben am Stamm des Kreuzes schweben, dein Heil sinkt in den Tod. Der grosse Fürst der Ehren lässt willig sich beschweren mit Schlägen, Hohn und grossem Spott.
  2. Wer hat dich so geschlagen, mein Heil und dich mit Plagen so übel zugericht? Du bist ja nicht ein Sünder wie wir und unsre Kinder, von Übeltaten weisst du nicht.
  3. Ich, ich und meine Sünden, die sich wie Körnlein finden des Sandes an dem Meer, die haben dir erreget das Elend, das dich schläget, und deiner schweren Martern Heer.
  4. Ich bin’s, ich sollte büssen an Händen und an Füssen gebunden in der Höll; die Geisseln und die Banden und was du ausgestanden, das hat verdienet meine Seel.
  5. Du nimmst auf deinen Rücken die Lasten, die mich drücken viel schwerer als ein Stein; du wirst ein Fluch dagegen verehrst du mir den Segen, dein Schmerzen muss mein Labsal sein.
  6. Du setzest dich zum Bürgen, ja lässest dich gar würgen für mich und meine Schuld; mir lässest du dich krönen mit Dornen, die dich höhnen, und leidest alles mit Geduld.
  7. Ich bin, mein Heil, verbunden all Augenblich und Stunden dir überhoch und sehr. Was Leib und Seel vermögen, das soll ich billig legen allzeit an deinen Dienst und Ehr.
  8. Nun, ich kann nicht viel geben in diesem armen Leben; eins aber will ich tun: Es soll den Tod und Leiden, bis Leib und Seele Scheiden, mir stets in meinem Herzen ruhn.
  9. Ich will’s vor Augen setzen, mich stets daran ergötzen, ich sei auch, wo ich sei; es soll mir sein ein Spiegel der Unschuld und ein Siegel der Lieb und unverschälschten Treu.