Monatslied Juni

RG 724:

  1. Sollt ich meinem Gott nicht singen? Sollt ich ihm nicht dankbar sein? Denn ich seh in allen Dingen, wie so gut er’s mit mir mein. Ist doch nichts als lauter Lieben, das sein treues Herz bewegt, das ohn Ende hebt und trägt, die in seinem Dienst sich üben. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit.
  2. Wie ein Adler sein Gefieder über seine Jungen streckt, also hat auch immer wieder mich des Höchsten Arm bedeckt; alsobald im Mutterleibe, da er mir mein Wesen gab und das Leben, das ich hab und noch diese Stunde treibe. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit.
  3. Sein Sohn ist ihm nicht zu teuer, nein, er gibt ihn für mich hin, dass er mich vom ewgen Feuer durch sein teures Blut gewinn. O du unergründeter Brunnen, wie will doch mein schwacher Geist, ob er sich gleich hoch befliesst, deine Tief ergründen können? Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit.
  4. Sein Geist, den edlen Führer, gibt er mir in seinem Wort, dass er werde mein Regierer durch die Welt zur Himmelspfort, dass er mir mein Herz erfülle mit dem hellen Glaubenslicht, das des Todes Macht zerbricht und die Hölle selbst macht stille. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit.
  5. Meiner Seele Wohlergehen hat er ja recht wohl bedacht; will dem Leibe Not entstehen, nimmt er’s gleichfalls in Acht. Wenn mein Können, mein Vermögen nichts vermag, nichts helfen kann, kommt mein Gott und hebt mir an, sein Vermögen beizulegen. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit.
  6. Himmel, Erd und ihre Heere hat er mir zum Dienst bestellt. Wo ich nur mein Aug hinkehre, find ich, was mich nährt und hält: Tier und Kräuter und Getreide: in den Gründen, in der Höh, in den Büschen, in der See, überall ist meine Weide. Alles Dingt währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit.
  7. Wenn ich schlafe, wacht sein Sorgen und ermuntert mein Gemüt, dass ich jeden lieben Morgen schaue neue Lieb und Güt. Wäre mein Gott nicht gewesen, hätte mich sein Angesicht nicht geleitet, wär ich nicht aus so mancher Angst genesen. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit.
  8. Seine Strafen, seine Schläge, ob es mir gleich bitter scheint, dennoch, wenn ich’s recht erwäge, sind es Zeichen, dass mein Freund, der mich liebet, mein’gedenke und mich von der schnöden Welt, die uns hart gefangen hält, durch das Kreuz zu sich hinlenke. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit.
  9. Das weiss ich fürwahr und lasse mir’s nicht aus dem Sinn gehn: Christenkreuz hat seine Masse und muss endlich stille stehn. Wenn der Winter ausgeschneiet, tritt der schöne Sommer ein; also wird auch nach der Pein wer’s erwarten kann erfreuet. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigeit.
  10. Weil denn weder Ziel noch Ende sich in Gottes Liebe findt, ei, so heb ich meine Hände zu dir, Vater, als dein Kind; bitte, wollst mir Gnade geben, dich aus aller meiner Macht zu umfangen Tag und Nacht hier in meinem gen Leben, bis ich dich nach dieser Zeit lob und lieb in Ewigkeit.Text: Paul Gerhardt 1653
    Musik: Albrecht Peter Bertsch (vor1800) 1855
    Satz: nach Stuttgart 1825/1844